Solo crossing the atlantic
06. März ca. 12 Uhr
Zwischen San Sebastian de la Gomera und Antigua liegen knapp 2500 Seemeilen, was in etwa 4800 Kilometern entspricht [1]. Verbunden sind sie durch die Schlagader des Nordäquatorialstroms, welcher zwischen 10° und 20° nördlicher Breite mit einer Oberflächengeschwindigkeit von etwa 0,5 kn sein Treibgut in den Westen spült. Würde ich mich in meiner Nußschale in La Gomera absetzen, Stürme, Wind und die durchaus bis zu 15m hohen Wellen vernachlässigen und mich vom Strom über den Atlantik treiben lassen, so würde ich, in der Theorie, nach etwa etwa 210 Tagen, also 7 Monaten, die Küste von Antigua erreichen. Um diesen Zeitraum zu verkürzen könnte ich segeln, könnte kiten oder mir einen Motor an die Nußschale schrauben. Ich könnte aber auch rudern. Und da mich dieser Gedanke schon so lange verfolgt und ich mich nun in potentiell empfänglichem Alter befinde, ist es auch kein Wunder, dass ich vor einigen Wochen die Planung und das Training für dieses Unterfangen aufgenommen habe. Wann ich dann letztlich meiner Familie, meinen Freunden die Botschaft überbracht habe, nun, das ist natürlich eine andere Geschichte. Und, ihr ahnt es, von Natur aus behält sich jede Geschichte die mit “Ozean-Rudern” anfängt eine Menge Konfliktpotential in Reserve.
Ich bin weit entfernt von meinem Ziel – nicht nur in geographischer Hinsicht. Mit meinem 2 Stunden Training am Tag nicht annähernd in der Lage ein Boot von etwa 23ft mindestens 12 Stunden täglich, und das 3 oder 4 Monate lang, über den Atlantik zu treiben. Vom wetterbedingten Mangel an Ruderpraxis ganz zu schweigen.
Aber das ist natürlich nicht einmal die halbe Miete für das Projekt, die es da einzuspielen gilt. Allein die Logistik wird einen Großteil der Zeit verschlingen. Das Boot [2] (Ocean rowing boat) muss mehrfach verschifft und von GfK/CfK Experten Instand gesetzt werden. Dazu kommen behördliche Tests, Seminare, Meetings, Training am Equipment, Fundraising, Sponsorensuche, Offshore-Training. Und Heidelberg ist bekanntlich nicht gerade für seine ausladenden Seegebiete bekannt. Womit auch hier einige Veränderungen anstehen. Aber das ist alles nur ein Bruchteil der Gedanken, die ich in meinem Kopf zu sortieren versucht bin.
Das wird ein tolles Jahr! Ich freue mich wirklich auf den ganzen Stress! Und da dieser auch im nächsten Jahr nicht so schnell abebben wird, freue ich mich auch schon gewaltig aufs nächste Jahr. Ich halte eine Vorbereitungszeit von mindestens! 2 Jahren für realistisch, womit ich grob 2012 als Ziel anpeilen werde. Ich habe wundervolle neue Kontakte geknüpft, finde Beistand und gedrückte Daumen … und natürlich ist mir dabei bewusst auf was ich mich einlasse. Und mir ist ebenso bewusst, dass ich mich nicht nur an dieser Idee “erfreuen” werde. Aber wie sagte schon Roosevelt: „Das einzige, was wir zu fürchten haben, ist unsere eigene Furcht.”
Es gibt eine Menge darüber zu erzählen, was aber weniger in diesen Blog passt. Ich liefere die passenden Links nach und hoffe, dass ich euch gedanklich mit auf diese Reise nehmen kann. Ansonsten habe ich hier im Moment wirklich wenig zu bloggen.
Pandemie der Angst
05. Februar ca. 22 Uhr
Wie in meinem Litblog versprochen, möchte ich nun die Kurve -welche von den Erkenntnissen der Gruppendynamik über die behavioristischen Skripte führte- zu einem Vollkreis schließen, den Blinker setzen und die Ausfahrt aus dem eigentlichen Kontext und damit dem ursprünglichen Blog nehmen. Packen wir es also an, dieses Thema: “Die Pandemie der Angst”; betrachten wir die pathogene Angst einmal mutig aus einer anderen Richtung – nämlich durch unseren Rückspiegel. Oder halt! Wartet! Was haben wir denn hier am Lenkrad: Ein Synonym für Sicherheit und Sicherheitsempfinden schlecht hin: Einen Airbag! Ziehen wir eben die Kuh vom Schwanz auf.
Die Pandemie der Angst:
1. Sicherheit hat immer ihren Preis, das ist nichts Neues. So führte in den USA der aufkommende Einbau von Airbags in den 80er Jahren zu einer Verzehnfachung von Todesfällen unter Kleinkindern in RUHENDEN Kraftfahrzeugen. Der Grund: Wurden früher die Kinder noch auf den Vordersitz -und damit ins Blickfeld- verfrachtet, so änderte sich dies mit dem Einbau von Airbags aus bekannten Gründen. Also setzte man sie auf den Rücksitz. Und wie wir beim Thema “behavioristische Skripte” bereits besprochen haben: Ist das Kind ein relativer Neuzugang -und sind damit unsere alten Skripte noch nicht mit diesem neuen “Wo ist das Baby”-Skipt überschrieben- so wird es eben schon mal im Auto vergessen. So wie wir Portemonnaises auf dem Autodach und Kreditkarten an der Kasse vergessen. Mit dem kleinen Unterschied jedoch, dass Geldbörsen samt Inhalt auch mal eine Stunde bei 40°C im Schatten ab können. Schaffen Sicherheitsmassnahmen allein also neue Risiken und damit vielleicht diese diffusen, klopfenden Gedanken, die uns im Hinterkopf schwelen und die sich zum Flächenbrand entwickeln könnten? Oder machen sie uns diese überhaupt erst bewusst? Und hier der Rest »
zeit.geist
02. Februar ca. 22 Uhr
Vier Dinge brennen mir heute auf der Seele. Erstens: das Arrabiata, das ich heute mit viel Chuzpe und Chili nachgekocht habe. Zweitens: die Trivialität menschlicher Emotionen, die mich in Laurance Gonzales’s Deep Survival gerade ganz hell anstrahlt. Drittens: Die Tatsache, dass ein russischer Gedächtniskünstler beim Therapeuten landet, weil er nicht und nichts vergessen kann. Und viertens: Ein privater Internetmythos der unscheinbaren, der dennoch faszinierenden Art.
So, jetzt muss du dich also entscheiden liebe Janice. Worüber möchtest du heute schreiben? Achhhh, immer diese Entscheidungen! Kann ich nicht alles wie eine Nudelsoße unter warmer Pasta vermischen? Ok,ok … nehme ich dann halt den Mythos. Und hier der Rest »
Progressive Muskelrelaxation
22. Januar ca. 00 Uhr
Wenn mir heute tatsächlich das personifizierte Schicksal um die Lenden geschlichen sein sollte, dann hat es aber mit schwerem Vorsatz seine dicken Wurstfinger auf meine Löschtaste gedrückt und in voller Absicht die komplette Musikbibliothek am anderen Ende des Tastaturkabels gelöscht. Aber wäre dies nicht passiert – und hätte ich die Daten nicht wieder einspielen müssen, dann wär’ mir doch auch glatt ein kleines Jubiläum entgangen. 2 Jahre, also 24 Monate = 720 Tage, ist es her, dass ich im Affekt den Titel “Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson” über das Icon gezogen und damit importiert habe. Und irgendwie, ihr ahnt es, habe ich das Kind in den Arm genommen und dann halt doch adoptiert. Sollte man also nach dieser Zeit nicht doch mal resümieren? Eine kurzes Goggeling verrät allerhand über die Technik, Indikationen und Zielstellung der progressiven Muskelentspannung – aber kaum finden sich Erfahrungsberichte, kaum publizierter Output langzeitbetroffener Versuchskaninchen. Ich denke mir also: ein kurzer Blogeintrag im Schnelltippverfahren wird nicht schaden …
Nanga Parbat
19. Januar ca. 22 Uhr
Mit einer Überdosis Gustavo Santaolalla in den Ohren, kletterte ich über ein Popcorn-Schneebrett aus dem Kinositz, steige wieder ins Basecamp hinab und lasse den Film nun erst einmal absacken. Keine Frage: Nanga Parbat ist ein kleines Meisterwerk. Mit einem lächerlichen* Budget von 7 Millionen Euro zaubert Vilsmaier ein Epos auf die Leinwand, dass es einem fast schon auf dem Parkettsitz schwindelig wird. Das sind sie, diese Bilder, für die das Kino erfunden wurde! Man schlägt spontan Wurzeln im Eis und fragt sich unweigerlich, wie sich 8125 Meter Unfassbarkeit auf einen so kleinen Streifen Zelloid quetschen lassen.
Mag einen nach K2 und Touching the void auch das Gefühl beschleichen, dass man das doch alles schon mal irgendwo gesehen hat, bleibt der Film dennoch spannend – wenn er auch hier und da seine Chancen nicht ganz ausreizt. Nein, er erreicht eben nicht ganz die Dramatik der beiden anderen Filme dieser Seilschaft. Aber dann kommt Gustavo Santaolalla ins Spiel und bläst mit fettem Sound die Konkurrenz vom Gipfel und begräbt sie unter einer meterhohen Eislawine.
Also: Ja! Der Film ist sehenswert – sehr sogar! Die Leistung der Akteure solide, die Dialoge: -nun ja- es ist und bleibt halt ein Messner der da klettert. Die Bilder träumen sich an uns vorbei und erwecken immer zum rechten Zeitpunk in einer Vertonung, die paralysiert und dem Zuschauer auch im angenehmsten Sperrholz-Sitz-Klima eine Gänsehaut überstülpt.
Ach, es ist eben ein Messner. Und das ist auch gut so! Nicht auszudenken, wo er jetzt noch die Hollywood-Hills bestiegen hätte.
Morbidick
12. Januar ca. 15 Uhr
Längst hatte er sich aus dem Hause gestohlen – dieser liebliche Duft. Dieses Bukett aus Zimt, Anis und Lebkuchen. Das Naschwerk, dem es einst entflohen, schmolz schon vor Wochen in klebrigen Kinderhänden und Kindermündern dahin. So wie auch das Schneebrett auf dem Dach in langen Nasen über den Giebel hinweg schmolz und auf die welke Tanne tropfe, die da vor dem Fenster lag und sich in den ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres bräunte.
Ja, ihr ahnt es – das gibt wieder nur ‘ne Fingerübung!. Wer so was nicht mag, der klicke einfach nicht auf:
Peter und der Wolf
09. Januar ca. 18 Uhr
Eine der Zugaben, die Apple diese Woche unter den welkenden Plastik-Weihnachtsbaum legte, war Suzie Templetons oscarprämierte Stop-Motion Adaption von Prokofjew’s Peter und der Wolf. Da der Film zudem gerade erst zum wiederholten Male auf Arte ausgestrahlt wurde, nehme ich einmal an, dass auch ihr dem Wolf bereits in die Augen und ins Maul schauen “musstet”. Nun, noch immer bekomme ich meinen Mund nicht zu und treffen da meine weit aufgerissenen Augen auf befremdliche Texturen, die brilliant inszeniertes Licht auf Zelloid bannte. Noch immer ziehe ich mir die Decke über die Nase und bin darin versucht, mich hinter dem Fagott zu verstecken oder an die Oboe zu klammern. Sei’s nur, um das Orchester mit den Instrumenten zu begleiten, die mir meine Emotionen zu spielen vermögen.
Nun ja, was ich jedoch wirklich berichten wollte, ist, dass ich auf Templetons Website zwei neue Perlen gefunden habe. Und diese möchte ich heuer mit euch teilen: Zum einen wäre da der Film Dog, zum anderen Stanley. Nehmt euch bitte ein paar Minuten, lehnt euch zurück oder kniet gleich nieder. Vertraut mir. Ich verspreche auch, dass ich jetzt die Klappe halte und nichts weiter zerrede und zertrample. Und nun: Vorhang auf!